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Literaturnachweis:
Tierärztliche Praxis 2002; 30(K):81-157
Zentraleuropäische Zeckenenzephalitis - eine
Übersicht
Andrea Tlipold Aus der
Klinik für kleine Haustiere (Direktor: Prof. Dr. Ingo Nolte} der Tierärztlichen
Hochschule Hannover (Seite 36 -40)
Zusammenfassung:
Die zentraleuropäische Zeckenenzephalitis beim Hund wird durch ein Flavivirus
verursacht, das zu den Arboviren gehört und durch Zecken übertragen wird. Beim
Hund gibt es ähnlich wie beim Menschen unterschiedliche Verlaufsformen. Neben
einer klinisch inapparenten Form kann eine Enzephalitis entstehen, die die Hunde
überstehen oder an der sie sterben. Rottweiler sind in der Literatur über
diese Erkrankung überrepräsentiert. Die klinische Diagnose ist schwierig.
Hinweis ist eine mononukleäre Pleozytose im Liquor cerebrospinalis. Darüber
hinaus können serologische Untersuchungen durchgeführt werden, die jedoch
schwierig zu interpretieren sind. Daher basiert die Diagnose derzeit auf einer
Kombination mehrerer Befunde und einem Antikörpertiteranstieg.
Einleitung
Die
zentraleuropäische Zeckenenzephalitis beim Hund wird durch ein Flavivirus
verursacht, das zu den Arboviren gehört. Diese Gruppe von RNA-Viren kann für
epidemische und sporadische Enzephalitiden bei Mensch und Tier verantwortlich
sein. Die Viren werden meist durch Arthropoden übertragen, oft nach einem
obligatorischen Multiplikationszyklus im Insekt (13). Aus der Gruppe der durch
Zecken übertragenen Flaviviren ist das beim Tier am längsten bekannteste das
Louping-ill-Virus beim Schaf (9, 13). Beim Menschen hat vor allem in
Endemiegebieten die durch Zecken (Ixodes risinus) übertragene zentraleuropäische
Zeckenenzephalitis Bedeutung, die auch als Frühsommermeningoenzephalitis (FSME)
bezeichnet wird (27). Wirtsorganismen dieser Virusinfektion können alle Säugetiere
einschließlich Mensch und Vögel sein. Nagetiere und andere Wildtiere werden
als Virusreservoir angesehen. Neben einer klinisch inapparent verlaufenden Form
wird beim Menschen eine schwere Enzephalitis beobachtet, die mit neurologischen
Ausfällen und Folgeerscheinungen einhergeht (12, 17, 26). In Endemiegebieten,
wie z.B. in Österreich, in Süddeutschland und in der Schweiz (Gegend um
Schaffhausen), wurde diese Infektionskrankheit vor Einführung der
FSME-Schutzimpfung für einige hundert Krankheitsfälle pro Jahr verantwortlich
gemacht (7). In Schweden wird die Todesrate dieser Erkrankung als gering
bezeichnet, jedoch sind die Folgeerscheinungen, wie
Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisverlust, Koordinationsprobleme, Hörverlust
und/ oder Tinnitus, Sehstörungen, Kopfschmerzen etc., beträchtlich (6).
Haustiere erkranken seltener oder die Diagnose erfolgt seltener. Neben dem Hund
kann in unseren Bereichen beispielsweise das Pferd an dieser Infektionskrankheit
leiden (23). Bei der Katze wurde diese Erkrankung nicht beschrieben. Andere
Tierarten, die erkranken können, sind Affen (20) und wild lebende Wiederkäuer
(Fatzer, persönliche Mitteilung).
Beim Hund scheint es wie beim Menschen unterschiedliche Verlaufsformen zu geben.
Die ersten Beschreibungen stammen aus der Schweiz (4, 24). In Großbritannien
wurde »Louping-ill« bei einem Border Collie beschrieben (14). Im Folgenden
soll auf klinische Symptome, die bei histopathologisch bestätigten Fällen von
zentraleuropäischer Zeckenenzephalitis beim Hund auftraten, und auf die
Probleme bei der klinischen Diagnostik eingegangen werden.
Signalement und Prädisposition
Es kann beim Hund prinzipiell weder eine
Rassen-, Geschlechts oder Altersprädisposition beobachtet werden (21).
Auffallend ist jedoch, dass in einigen Berichten die Rasse Rottweiler vertreten
oder sogar überrepräsentiert ist (Tab. 1). Mit einer Anzahl von acht Hunden
von insgesamt 22 beschriebenen Tieren sticht diese Rasse eindeutig hervor. Bei
dieser geringen Patientenzahl kann jedoch noch nicht eindeutig von einer
Rassenprädisposition gesprochen werden. Eine weitere Rasse, die relativ häufig
in der Publikationsliste auftritt, ist der Husky (vier von 22 Hunden).
Neben einer vermuteten genetisch bedingten Neigung für diese Erkrankung wird
angenommen, dass prädisponierende Faktoren notwendig sind, um bei Hunden das
schwere Krankheitsbild einer zentraleuropäischen Zeckenenzephalitis auszulösen.
Der Hund gilt allgemein als verhältnismäßig resistent gegenüber dieser
Flavivirusinfektion, wie Übertragungsversuche gezeigt haben (2, 5).
Vorhergehende immunsuppressive Erkrankungen, die die Neuroinvasion des Virus begünstigen
können, wurden anamnestisch nicht berichtet (10, 19, 21, 25). Es ist bekannt,
dass genetische Faktoren das klinische und morphologische Erscheinungsbild von
Virusinfektionen beeinflussen können (28). Eine natürliche Resistenz des
Hundes gegenüber dem Virus der Zeckenenzephalitis, wie sie früher angenommen
wurde, liegt jedenfalls nicht vor. Da jedoch in Endemiegebieten eine beträchtliche
Anzahl von Hunden Antikörper im Serum aufweist ( 15, 16) und im Verhältnis
dazu nur ein geringer Anteil an Hunden auch erkrankt, besteht die Möglichkeit,
dass beim Hund eine geringere Neuroinvasivität als beim Menschen vorliegt,
andere Organsysteme außerhalb des ZNS nicht krankhaft verändert werden und das
durch Zeckenbiss übertragene Virus durch ein gut funktionierendes Immunsystem
rasch eliminiert wird. Reihenuntersuchungen von Titerbestimmungen beim Hund in
den Kantonen Zürich, Bern und Basel ergaben vergleichbare Werte wie beim
Menschen mit 1,9-5,6% positiven Befunden (15, 16).
Klinische Symptome
Beim Hund scheint es, ähnlich wie beim
Menschen (12, 17, 26), unterschiedliche Verlaufsformen zu geben. Neben einer
klinisch inapparenten Verlaufsform, die nur mit einer Bildung von Antikörpern
nach der Virusinfektion einhergeht (15), gibt es den schweren Krankheitsverlauf
mit einer Polioenzephalomyelitis, die zum Tod des Tieres führen kann (21, 25).
Eine weitere »intermediäre« Verlaufsform ist zu vermuten: Entwicklung einer
Polioenzephalomyelitis mit klinischen Ausfallserscheinungen und Genesung nach
symptomatischer Therapie (10, 19).
Im Folgenden sollen Symptome beschrieben werden, die bei histopathologisch bestätigten
Fällen auftraten (19, 21, 25), da eine eindeutige Diagnosestellung in der
Klinik noch nicht möglich ist. In klassischen Fällen treten die Symptome akut
auf, der Verlauf ist rasch progressiv. Die Besitzer kommen meist zum Tierarzt,
weil der Hund kurzfristig (zwei bis vier Tage) krank ist, generalisierte Gangstörungen
unterschiedlichen Grades und erhöhte innere Körpertemperatur aufweist. Zusätzlich
können in der Anamnese starke Halsdolenz, Laufen gegen Hindernisse oder
Krampfanfälle vom Grand-Mal-Typus mitgeteilt werden. Bei der allgemeinen
Untersuchung werden außer einer erhöhten inneren Körpertemperatur (39,8-40,2
°C) keine besonderen Befunde erhoben. Die neurologischen Ausfallserscheinungen
entsprechen bei den meisten Hunden einem multifokalen Geschehen mit Vorherrschen
einer Hirnstammsymptomatik, seltener einer Rückenmarksläsion. Die Hunde sind
apathisch oder übererregt und schreckhaft, zeigen Krampfanfalle, Gangstörungen
mit Tetraparese und generalisierter Ataxie bis hin zur Tetraplegie. Myoklonus
kann beobachtet werden. Bei Untersuchung der Kopfnerven können multiple Ausfälle
bemerkt werden, wie Fazialisparese, vestibulärer Strabismus, Sensibilitätsverlust
im Kopfbereich, rotatorischer Nystagmus, Miose bzw. Anisokorie und abwesender
Drohreflex. Die Haltungs- und Stellreaktionen sind entsprechend der Läsion
generalisiert verzögert. Bei Untersuchung der spinalen Reflexe lassen sich
unterschiedliche Befunde erheben. Die Reflexe sind entweder normal bis
gesteigert oder abgeschwächt, wenn sich die Entzündung bis in die graue
Substanz des Rückenmarks ausgebreitet hat (Poliomyelitis). Meist ist eine
Hyperalgesie im Halsbereich auffällig oder der Hund zeigt generalisierte
Schmerzen. Der letztere Befund ist durch eine Reizung der Meningen oder durch
Veränderungen im Großhirnbereich (Thalamus) erklärbar.
Diagnose
und Differenzialdiagnose
Eine eindeutige Diagnose ist derzeit in
der Klinik noch nicht möglich. Die klinische Diagnose bzw. Verdachtsdiagnose stützt
sich daher auf eine Kombination verschiedener Befunde. Sinnvoll sind eine
Untersuchung des Blutes und des Liquor cerebrospinalis sowie Antikörperbestimmungen
im Serum mit Prüfung auf Serokonversion. Bei der Beurteilung des Blutbildes
kann entweder eine Leukopenie mit Lymphopenie auffallen oder das Blutbild kann
als physiologisch bezeichnet werden (19, 21). Die blutchemische Untersuchung ist
ohne besonderen Befund, eventuell findet sich in der Elektrophorese ein erhöhter
a2-GlobulinSpiegel.
Antikörperuntersuchungen im Serum (ELISA, Hämagglutinations-Inhibitionstest
oder Komplementbindungsreaktion) gegen das zentraleuropäische
Zeckenenzephalitisvirus werden positiv sein (10, 18, 19). Eine einmalig positive
Serumprobe ist jedoch nur Beweis für eine Infektion mit dem Flavivirus, die
aber nicht zu einer Erkrankung führen muss. Bei der weiteren Abklärung sind
andere Erkrankungen differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen. Erst
Titerverlaufsuntersuchungen können die Diagnose bestätigen. Das heißt, wenn
ein Hund diese schwere Erkrankung überlebt, ist zur Sicherung der Diagnose bei
eingangs negativem oder positivem Antikörpertiter eine zweite Untersuchung
notwendig, um einen Antikörperanstieg nachzuweisen. Klimes et al. (10)
konnten erstmals 2001 einen Antikörperanstieg bei einem Rottweiler mit einer
mononukleären Enzephalitis mit Hirnstammsymptomatik nachweisen. Der Hund
erholte sich, blieb aber ataktisch. Bei anderen Untersuchungen ließ sich ein
solcher Anstieg nicht feststellen, so dass die klinische Diagnose Vermutung
blieb (18). Spezielle Techniken des Antikörpernachweises durch Bestimmung der
Avidität können die Diagnosestellung verbessern (3), wurden jedoch beim Hund
nicht geprüft.
Die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis ist auch bei dieser Erkrankung ein
wichtiges diagnostisches Hilfsmittel. Bei allen bekannten Fällen war er
deutlich verändert (10, 19, 21). Die Pleozytose besteht vor allem aus einer
Vermehrung der Lymphozyten und Monozyten, in Ausnahmefällen können wenige
neutrophile Granulozyten gefunden werden. Der Eiweißgehalt ist mäßig bis
deutlich erhöht, der IgG-Index wird ebenfalls über dem Referenzbereich liegen
(21). Mit diesen Befunden kann eine mononukleäre Enzephalitis, wahrscheinlich
auf viraler Ätiologie basierend, diagnostiziert werden. Dies ist für die
klinische Beurteilung eines Falles und die einzuleitende Therapie die wohl
wichtigste Information. Welches Virus ätiologisch für die Symptomatik
verantwortlich ist, ist von großem epidemiologischem Interesse und von
Bedeutung für die Ergreifung prophylaktischer Maßnahmen. Für den akut
vorliegenden Fall und den klinischen Handlungsbedarf ist diese Erkenntnis jedoch
nicht unbedingt notwendig. Die weiterführenden Untersuchungen werden
eingeleitet, um über Infektionskrankheiten, die in der jeweiligen Region
vorkommen, informiert zu sein und um Tierbesitzer effizient beraten zu können.
Daher sollte die Neugier groß genug sein, nach Genesung Antikörpertiterverläufe
zu kontrollieren und in Endemiegebieten die Forschung über diese Krankheit und
ihre klinische Diagnosestellung voranzutreiben.
Untersuchungen über den direkten Virusnachweis im Liquor cerebrospinalis, der
eine eindeutige klinische Diagnosestellung erlauben würde, fehlen für den
Hund. Möglichkeiten wären indirekte oder direkte Immunfluoreszenz bzw.
Polymerasenkettenreaktion (PCR). In der Humanmedizin wurde eine PCR-Technik
entwickelt (11). Auch für diese Methode gibt es noch keine Untersuchungen beim
Hund. Die Methode des Virusnachweises zur Diagnosestellung sollte sich auf den
Liquor cerebrospinalis beschränken und ist wahrscheinlich schwierig, da es sich
um ein neurotropes Virus handelt. Beim Hund gibt es eine Publikation aus Japan
(1), wo ein ähnliches Virus, das der russischen Frühsommerenzephalitis, durch
Zecken übertragen wird (1). Der Autor (1) konnte aus Blutproben von
infizierten, aber nicht erkrankten Beagles Virus isolieren. Diese Tiere hatten
auch neutralisierende Antikörper entwickelt.
Antikörpertiterbestimmungen im Liquor cerebrospinalis sind oft mit einer
Fehlinterpretation verbunden (22). Bei entzündlichen Prozessen des
Zentralnervensystems wandern Lymphozyten unspezifisch in den Liquorraum ein, um
eine rasche Immunantwort bewerkstelligen zu können. Sie produzieren dort auch
Antikörper, was zu falsch positiven Resultaten führen kann (8). Die Evaluation
von verschiedenen Indizes von Antikörpern im Liquor cerebrospinalis und Serum könnte
hier hilfreich sein (19). Auch hier sind für den Hund zu wenig Daten vorhanden,
da diese Untersuchungen sehr kostspielig sind (Antikörperbestimmungen des zu
untersuchenden Agens, Antikörperbestimmungen eines unspezifischen Agens, gegen
das der Hund Immunglobuline gebildet hat und das sicherlich nicht für eine
Enzephalitis verantwortlich sein kann, Albuminbestimmungen).
Trotz dieser Probleme liefert die Liquoruntersuchung einen deutlichen Hinweis.
Die Proteinerhöhung, die aufgrund des erhöhten IgG-Index auf eine intrathekale
Immunglobulinsynthese zurückzuführen ist, und die vorwiegend mononukleäre
Pleozytose sprechen bei multifokalem oder diffusem Krankheitsbild für einen
entzündlichen Prozess viraler Ätiologie. Differenzialdiagnostisch kommen daher
andere Virusinfektionen und die granulomatöse Meningoenzephalitis (GME)
infrage. Staupe kann durch einen negativen Virusnachweis im Liquor
cerebrospinalis weitgehend ausgeschlossen werden, die GME hat nach Vorbehandlung
mit Kortikosteroiden meistens einen mehr protrahierten Verlauf. Tollwut ist bei
akut verlaufender Symptomatik trotz guter Impfanamnese nicht auszuschließen und
dementsprechende Vorsichtsmaßnahmen sind bei Untersuchung und Entnahme der
Proben zu treffen. Charakteristisch für die Zeckenenzephalitis ist bei der
schweren Form der Verlauf: Ein Großteil der Hunde musste nur wenige Tage nach
Beginn der ersten Krankheitssymptome euthanasiert werden (19, 21, 25). Bei der
mehr protrahiert verlaufenden Form, wie sie mit exakter Diagnose von Klimes et
al. (10) bei einem Hund festgestellt wurde, ist der Verlauf nicht mehr
charakteristisch und die Differenzialdiagnosenliste umfangreicher.
Zum derzeitigen Standpunkt des Wissens ist eine Sicherung der Diagnose, wenn
Verlaufsuntersuchungen nicht möglich sind, erst post mortem gegeben. An
Intra-vitam-Tests sollte daher in den Endemiegebieten weiter gearbeitet werden.
Histopathologisch wird eine hochgradige disseminierte Meningoenzephalomyelitis
mit einer Prädilektion der grauen Substanz gesehen. Die Hauptbefunde sind:
perivaskuläre mononukleäre Infiltrate, starke Gliose und Nervenzellnekrose. Die
Gefäßinfiltrate bestehen aus Monozyten, Plasmazellen, Histiozyten und
Iymphoiden Zellen. Die Gliose kommt diffus vor, aber auch in Knötchen.
Vereinzelt können Neuronophagie, Mitosen und Einwanderung polymorphkerniger
Leukozyten beobachtet werden (19, 21, 25). Diese Polioenzephalomyelitis tritt
generalisiert im gesamten ZNS auf mit besonders deutlichen Veränderungen in den
Kerngebieten des Hirnstamms. Im Rückenmark ist vor allem im Bereich der
Ventrathörner die oben beschriebene Veränderung zu sehen, was die abgeschwächte
Reflexantwort bei der neurologischen Untersuchung erklären kann. Die Diagnose
wird mit Hilfe einer immunhistochemischen Untersuchung mit einem polyklonalen
Antikörper gegen das zentraleuropäische Zeckenenzephalitisvirus gesichert (21,
25). In einigen Fällen kann das. Virus nicht mehr nachgewiesen werden,
wahrscheinlich durch Elimination infolge der starken Immunantwort (19, 21). Das
histologische Bild ist jedoch beweisend für diese Infektionskrankheit. Es
wurden Hunde mit einer Virusenzephalitis unbekannter Genese und
unterschiedlichem histopathologischem Muster untersucht, ob das Virus der
zentraleuropäischen Zeckenenzephalitis entdeckt werden kann. Das war nicht der
Fall (21). Einzig die Tollwut sollte aus Sicherheitsgründen immunhistochemisch
ausgeschlossen werden. Auch bei ihr finden sich eine Polioenzephalomyelitis und
ein akuter Krankheitsverlauf.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass in FSME-Endemiegebieten bei Hunden, die akut
an multifokalen neurologischen Symptomen mit erhöhter innerer Körpertemperatur,
rasch progressivem Verlauf und mononukleärer Pleozytose im Liquor erkranken,
die zentraleuropäische Zeckenenzephalitis differenzialdiagnostisch zu beachten
ist. Klinisch und pathologisch ist dieses Krankheitsbild dann gut abgrenzbar.
Prognose, Therapie und Prophylaxe
Die Prognose ist je nach Verlaufsform
sehr unterschiedlich zu beurteilen: Es besteht die Möglichkeit, dass die Hunde
nur eine klinisch inapparente Verlaufsform dieser Infektionskrankheit
durchmachen (gute Prognose), nach Erkrankung genesen (vorsichtige Prognose) (10,
19) oder schwer erkranken, wobei die Prognose dann als ungünstig bis schlecht
zu bezeichnen ist (19, 21, 25).
Eine Behandlung kann nur symptomatisch erfolgen. Bei Auftreten der ersten
Symptome ist eine Therapie sicherlich zunächst anzuraten. Erst bei
Nichtansprechen auf die Therapie während zwei bis drei Wochen, deutlicher
Verschlechterung und dringendem Verdacht einer Zeckenenzephalitis sollte einer
Euthanasie der Vorzug gegeben werden. Da eine Leukopenie mit Lymphopenie
auftreten kann, werden zur Verhinderung bakterieller Sekundärinfektionen
Antibiotika verabreicht. Tiere mit verändertem Elektrolyt- und Wasserhaushalt
benötigen eine Infusionstherapie. Sollten die Hunde Schluckstörungen haben
oder aufgrund der starken Apathie und Schmerzen anorektisch sein, wird eine
parenterale Ernährung notwendig (bei Schluckstörung).
Setzen einer Magensonde). Nichtsteroidale Antiphlogistika werden bei erhöhter
innerer Körpertemperatur appliziert, die Gabe von Schmerz stillenden
Medikamenten (z. B. Butorphanol in einer Dosierung von 0,4 mg/kg KM s. c, i. m.)
ist anzuraten.
Die Wirkung von Glukokortikoiden ist unbekannt. Einige Patienten waren mit
Glukokortikoiden vorbehandelt und wiesen eine rasche Verschlechterung der
Symptomatik auf (21). Eine Viruspersistenz wird vermutlich gefördert.
Glukokortikoide können jedoch eine überschießende Immunreaktion vermindern
und damit einer zusätzlichen Schädigung des Gehirngewebes vorbeugen. Falls
Glukokortikoide appliziert werden, sollten sie nur einmal und in hoher Dosierung
gegeben werden (Dexamethason 2 mg/kg KM i.v.; Prednisolon 4 mg/kg KM i.v.). Eine
größere Studie über den Effekt von Glukokortikoiden bei Hunden mit
zentraleuropäischer Zeckenenzephalitis fehlt aufgrund der geringen Anzahl an
publizierten Fällen.
Zur Prophylaxe ist bei Hunden in Endemiegebieten sicherlich in Analogie zur
Humanmedizin eine Impfung möglich, die ja dort mit größtem Erfolg eingesetzt
wird. Zur Zeit ist im deutschsprachigen Raum jedoch kein Impfstoff für den Hund
zugelassen.
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