Parasiten bei unseren Hunden.
Von Dr. Silvio Krehon
Ektoparasiten: Flöhe, Läuse, Milben, Zecken
Ausgewachsene
Flöhe sind dunkelrot/braun, werden ca.1,6 - 3,2 mm groß und können bis zu
30 cm hoch und 50-80 cm weit springen. Flöhe entwickeln sich über die
Stadien Ei, Larve, Puppe zum erwachsenen Tier, saugen mehrmals am Tag Blut, überleben
aber auch wochenlang ohne Nahrungsaufnahme, befallen dann aber auch andere
Tiere und auch Menschen. Pro Tag produzieren Weibchen ca.60 Eier, diese werden
wahllos auf dem Wirtstier abgelegt, aber nicht festgeklebt, wie dies z.B. bei
Läusen der Fall ist. Die Eier fallen zu Boden bzw. auf die Lagerstätte des
Hundes. Die Nahrung der Flohlarven besteht vor allem aus Kotpartikeln der
erwachsenen Flöhe, sie saugen aber nicht Blut. Flöhe saugen am gesamten
Tierkörper Blut, vornehmlich aber im Rücken- Schwanzansatzbereich. Juckreiz,
struppiges Haarkleid, Schuppenbildung, Haarausfall, Rötungen und Ekzeme der
Haut in verschiedenen Graduierungen und Störung des Allgemeinbefindens lassen
den Verdacht auf Flohbefall aufkommen. Entstehung einer Allergie auf
Flohspeichel kommt immer wieder vor, darüber hinaus können Sekundärinfektionen
mit Bakterien oder keratinophilen Pilzen den Krankheitsverlauf und Behandlung
verkomplizieren. Die Diagnose Flohbefall ist mit Hilfe des Nachweises der
Parasiten oder von Flohkot leicht zu stellen. Flohkot enthält Blut und
bildet, in einem Tropfen Wasser aufgelöst, einen rötlichen Fleck. Zum
Nachweis einer Flohspeichelallergie bedarf es einer besonderen Untersuchung,
die Ihre Tierärztin/Tierarzt veranlassen kann. Die Behandlung eines
Flohbefalls richtet sich nach Intensität und Ausmaß der möglichen
Hauterkrankungen, unbedingt miteinzubeziehen ist eine intensive
Umgebungsbehandlung der Tiere. Darüber hinaus sind "flohbefallene"
Tiere auch zu entwurmen, da Flöhe häufig Zwischenwirte im Entwicklungszyklus
von Bandwürmern sind. Zur Vermeidung von Flohbefall und Folgeerkrankungen
kommt einer regelmäßigen Fellpflege große Bedeutung zu, eine
prophylaktische Anwendung von Repellentien ist nach individueller tierärztlichen
Beratung sinnvoll. Differentialdiagnostisch
zu berücksichtigen sind bei genannten Symptomen unter anderem Laus- und
Milbenbefall. Auch hier zeigen sich juckende, schuppende bzw. nässende
Ekzeme, die sich durch Kratzen der Tiere verschlimmern. Beim Verdacht auf
Milbenbefall (vor allem Demodekose) sollte unbedingt tierärztliche Hilfe in
Anspruch genommen werden, weil sich hier eine sichere Diagnose und die daraus
resultierende Behandlung erst an Hand besonderer Untersuchungen stellen läßt.
Läuse sind fakultative Überträger von Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose
und Haemobartonellose.
Eine
wesentlich größere Bedeutung beim Infektionsgeschehen der Lyme Borreliose
und der FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis) hat der gemeine Holzbock,
Ixodes ricinus, die häufigste Zeckenart in Europa. Alle Zecken haben ein
besonderes Organ, das Haller´sche Organ, das ihnen ermöglicht, einen
geeigneten Wirt zu finden. Mit schneideartigem Biß eröffnet die Zecke die
Haut ihres Wirtes und stößt einen Stachel hinein, der mit einer klebrigen
Masse fixiert wird. Der Speichel sondert lokal betäubende und
blutgerinnungshemmende Substanzen ab, so daß der Wirt den Zeckenbiß nicht spürt.
Durch den Speichel gelangen beim Blutsaugen 2-6 Stunden nach dem Biß die
Krankheitserreger in den Blutkreislauf des Wirtes.
Igelzecken
und Fuchszecken leben in den Nestern ihrer Wirte, daher werden besonders
Jagdhunde, die an Igel- oder Mardernester kommen oder in Fuchs- bzw.
Dachsbauten arbeiten, oftmals massenhaft befallen. Da auch die Igel- und die
Fuchszecke Überträger der Borreliose sind, ist die äußerliche
Zeckenprophylaxe und die Impfung gegen Borreliose bei Jagdhunden besonders
wichtig.
Rhipicephalus
sanguineus, die braune Hundezecke kommt ursprünglich aus den tropischen Ländern,
lebt heute in allen wärmeren Gebieten und befällt nur den Hund! Von allen
genannten Zecken übertragene Krankheiten sind die bakteriell bedingte
Lyme-Borreliose zu nennen, weiters Babesiose und Ehrlichiose, die durch im
Blut parasitierende Einzeller verursacht werden. Darüber hinaus zeigen jüngste
veterinärmedizinische Forschungen, dass Zecken Erreger von viral bedingten
Krankheiten mit FSME-ähnlichem Krankheitsverlauf auf Hunde übertragen können.
Eine wirksame Impfprophylaxe gegen diese oft tödlich endenden Infektionen
gibt es bislang nicht, um so wichtiger ist intensive Fellpflege und äußerliche
Zeckenprophylaxe.
Da
die Borreliose des Hundes in den letzten Jahren in unseren Breiten immer öfter
vorkommt, soll hier kurz die Symptomatik und Diagnose vorgestellt werden: Störung
des Allgemeinbefindens, Mattigkeit, Fieberschübe, Freßunlust, Lahmheit durch
Gelenkentzündungen, -schwellung, Entzündung der Lymphdrüsen, Nierenentzündung,
Nierenfunktionsstörung, manchmal erkennbar an blutigem Harn. Zur Diagnose
wird der Nachweis von Serumantikörper herangezogen: Titer über 1:64 gelten
als positiv. Ein direkter Erregernachweis aus Gelenk- oder
Lymphknotenpunktaten bzw. Hautbiopsien ist möglich, aber nicht so sicher wie
die serologische Untersuchung.
Würmer als Endoparasiten bei Hunden
Sowohl für
Hunde als auch für Menschen - vor allem in der Umgebung von Kindern - sind Würmer
ein immer wiederkehrendes Gesundheitsrisiko. Bei
erwachsenen Hunden verläuft eine Wurminfektion meist symptomlos, der Hund
macht auf uns einen normalen, gesunden Eindruck. Wird aber z.B. durch
Krankheit oder Streß sein Immunsystem beeinträchtigt, dann muß man bei
Abmagerung, reduziertem Allgemeinzustand, Anämien, Fellveränderungen,
Durchfall, Verstopfung, Darmverschluss oder Leberveränderungen an Wurmbefall
denken. Ältere Hunde sind seltener befallen als jüngere, besonders betroffen
sind meist Welpen. Hauptsächlich sind hier zwei Hauptgruppen vorzufinden: die
Rundwürmer in Magen, Darm, Blase, Atmungsapparat, aber auch im Herz. Deren
häufigste Vertreter sind Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer
und der in südlichen Ländern häufig vorkommende Herzwurm Dirofilaria
immitens. Die Infektion erfolgt meist über die direkte orale Aufnahme der
infektiösen Eier, manche Arten wie die Hakenwürmer dringen aber auch aktiv
über die Haut in den Wirt ein und wandern dann durch den Wirtsorganismus zum
passenden Zielorgan. Eine Besonderheit ist die Tatsache, dass die Larven
dieser Wurmarten sich einkapseln und so jahrelang in z.B. Muskelgewebe „überleben“
können. Die Gefährlichkeit der Spulwürmer liegt darin, dass eine Übertragung
von Muttertier auf ihre Nachkommen schon im Embryonalstadium über die Gebärmutter
und nach der Geburt über die Muttermilch möglich ist. Eine befallene Hündin
kann die Wurmlarven an bis zu drei aufeinanderfolgende Würfe weitergeben, die
infizierten Welpen stecken natürlich andere Tiere im Wurf an. Menschen, vor
allem Kinder sind bei dieser Wurmart als Zwischenwirte, die wiederum die Eier
mit dem Stuhl ausscheiden, vorzufinden.
Zur
zweiten Hauptgruppe zählen wir die Bandwürmer mit dem in Städten am häufigsten
vorkommenden Kürbiskernbandwurm, den kleinen Hundebandwurm und den auch für
Menschen gefährlichen Fuchsbandwurm. Sie leben im Darm der Tiere, die reifen
Bandwurmglieder werden mit den Eiern abgestossen, erkennbar als ca. 1,5 mm
„eierförmige“ Gebilde im Kot und am After. Typisch ist der damit
verbunden Juckreiz im After und das sogenannte „Schlittenfahren“.
Gebrauchshunde sind besonders gefährdet, da sie "berufsbedingt"
viel öfter mit einem Bandwurmzwischenwirt zusammentreffen können. Besonders
gefährdet ist der Mensch, bei dem sich die Larven des Fuchsbandwurmes in
Leber, Gehirn und Lunge "einnisten" und zu lebensbedrohlichen tumorösen
Veränderungen führen.
Zur
Vermeidung von Infektionen mit Würmern sollten Hunde einer vierteljährlichen
Breitspektrumentwurmung unterzogen werden, zusätzlich empfiehlt sich vor
allem bei Jagd- und Hütehunden die Behandlung mit Praziquantel (Droncit®).
Gerade im Urlaub ist für uns Menschen Vorsicht beim Verzehr ungewaschener Früchte,
Gemüse etc. geboten, jeglicher Kontakt mit streunenden Hunden ist unbedingt zu
meiden. Darüber hinaus sollten unsere Vierbeiner, die mit auf einer
Auslandsreise waren, nach dem Urlaub entwurmt (Breitspektrum plus Praziquantel
!) werden.
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