Quelle:
   Verfasser und Copyright:
Dr. Hans Martin Steingassner
   FTA für Homöopathie, Neuraltherapie und Akupunktur,
   7503 Großpetersdorf

   Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers über Vermittlung von Frau Hödl

   

„Ich riech etwas was Du nicht riechst!"
Die besonders feine Nase von Hunden und Katzen:

 

Wer kennt ihn nicht, den im Geruch versunkenen Hund, der vollkommen abgehoben in Düften schwelgt und alles um sich herum vergisst? Alles ist so spannend, sie (er) kann sich nicht losreißen.

Hunde und Katzen erschnüffeln Düfte, die für Menschen unter der Wahrnehmbarkeitsgrenze liegen.

Der Geruchssinn ist bei Hunden und Katzen extrem stark ausgeprägt, und das ermöglicht erst das breite Spektrum  von Einsatzmöglichkeiten.  Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum  der Mensch „auf den Hund gekommen“ ist. Der Jäger und Sammler der Frühzeit machte sich die überlegenen Sinnesorgane des Hundes zu nutze. Heute haben wir unter den Hunden eine Reihe von Spezialisten zur Auswahl. Vom  Jagdgehilfen, Polizeihund, Lawinensuchhund, Rauschgiftspezialisten, Sprengstofferschnüffler bis zum Trümmersuchhund bei Erdbebenkatastrophen.

Gerüche:

Gerüche sind, chemisch gesehen,  flüchtige, chemische Verbindungen (Fettsäuren). Jedes Lebewesen hat eine charakteristische Zusammensetzung an Duftstoffen.  Dieses Duftstoffgemisch  nimmt der Hund oder die Katze über die Nase auf und lässt sie über die Riechschleimhaut der Nase streichen.

Die Reichschleimhaut hat bewimperte Nervenzellen (Neuralrezeptoren). Diese Sinneszellen bewerten die aufgenommenen Gerüche und unterziehen sie einer Zuordnung.

Säugetiere haben bis zu 30 verschiedene Typen von Geruchsrezeptoren.

Der entscheidende Unterschied  zur menschlichen Nase besteht im  Flächenausmaß des Riechfeldes.

Hunde haben je nach Rasse 18 – 150 cm2, Katzen 7 – 21 cm2   Riechepithel, im Vergleich dazu nehmen sich Menschen mit  2 – 4 cmbescheiden aus.

Auf diesem Areal sitzen Millionen von Riechzellen.

Mensch                                       5     Millionen Riechzellen

Dackel                                    125      Millionen Riechzellen

Foxterrier                                147      Millionen Riechzellen

Schäferhund                            220      Millionen Riechzellen

Die Ausstattung mit Riechzellen erlaubt es Hunden und Katzen, gegenüber Menschen,  auch dann noch Gerüche wahrzunehmen, wenn diese  1000 – 10 000 mal niedriger konzentriert sind, als das von uns gerade noch Wahrgenommene.

Über den Daumen geschätzt riecht ein Hund eine Million mal besser als ein Mensch.

Um die Leistung zu verstehen:

Spurensuchhunde haben kein Problem einer Spur zu folgen, auch wenn der Gesuchte Schuhe trägt und nur Spuren von vier Milliardstel  Gramm Schweißduftstoff verliert. 20 Meter Duftspur genügen, damit ein en Hund die eingeschlagene Richtung festlegen kann. Bei einer Nachsuche läuft er immer wieder zurück und legt aus der sich ändernden Duftintensität (Anfang der 20 Meter und Ende der 20 Meter) die Richtung fest.  Erfahrene Hundeführer stören daher ihren Hund möglichst wenig bei der Nachsuche.

Durch Schnuppern und Schnüffeln wird die Luft vor und zurückgetrieben, damit wird der Kontakt zwischen Geruchsmolekülen und der Geruchsschleimhaut drastisch erhöht. Es wird solange geschnüffelt, bis der Hund eine Zuordnung nach seiner im Laufe seines Lebens gefunden Erfahrung treffen kann.

Die Reichschleimhaut ist, wie der Name schon sagt, mit Schleim überzogen.  Die Geruchsmoleküle verbinden sich mit dem Schleim und lösen sich in diesem. Durch den Bindungs- und Lösungsvorgang konzentrieren sich Geruchsmoleküle noch um ein Vielfaches jenes Gehaltes, welchen sie in der Luft erreichen.  

Was beeinflusst die die Geruchswahrnehmung?

Gesundheit:

Gesundheit ist Voraussetzung für einen guten Geruchssinn. Das trifft besonders auf Erkrankungen der Atemwege zu (Hundestaupe,  Felines Calici Virus, Rhino Tracheitis Virus. Polypen, Tumore)

Gewöhnung:

Tiere die lange mit dem gleichen Geruch konfrontiert sind, stumpfen ab, wobei die anderen Gerüche weiter wahrgenommen werdend. Trümmersuchhunde nach Erdbebenkatastrophen brauchen daher immer wieder Pausen (abgesehen von der Staubbelastung).

Geschlecht:

Weibliche Tiere haben einen ausgeprägteren Geruchssinn als männliche Tiere. Rüden spüren allerdings während der Läufigkeit die Objekte ihrer Begierde kilometerweit.

Sättigung:

Der Geruchsinn ist bei Hunger ausgeprägter, als bei Sättigung. Man hat bei Wildhunden und Wölfen festgestellt, dass sie alle 4 Tage Nahrung zu sich nehmen müssen. Exakt am vierten Tag ohne Nahrung ist auch der Geruchssinn am Höhepunkt und gut gerüstet für die Jagd.  Füttert man in einem Experiment Hunden vorher flüchtige Fettsäuren, dann sinkt die Geruchsleistung ab.

Alter:

Der Geruchssinn nimmt mit dem Alter ab, weil die Riechschleimhaut degeneriert

Witterungsbedingungen:

Bei trockener Luft, extremer Temperatur oder Wind verdunstet der Schleim der Nasenschleimhaut. Aber auch lang anhaltender Regen oder Nebel beeinträchtigen den Geruchssinn.

Umwelt:

Luftballaststoffe wie Tabakrauch (z.B. im Auto), reduzieren die Geruchsempfindlichkeit erheblich. Man kann sich vorstellen was Tabakqualm für die feinen Riechorgane von Hund und Katz bedeutet.

Man sollte auch noch bedenken, dass Hunde ihre Nase meistens in Auspuffhöhe haben.

So ist es wirklich ein Wunder, dass uns die Hunde noch riechen können.